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Der blaue Salon

Der «blaue Salon» der Fondation de l’Hermitage erinnert an die Geschichte des Anwesens und seiner Gründer, der Familie Bugnion. Für diesen eindrücklichen Raum wurde die Einrichtung des einstigen Raucherzimmers im Erdgeschoss übernommen, sodass man hier die Vergangenheit des Hauses auf sich einwirken lassen kann.

Dr. Michel Bugnion, der Hauptgründer der Fondation de l’Hermitage, beschrieb ihn wie folgt:

Der Salon im Napoleon III-Stil
oder «Kleine blaue Salon» der Hermitage

Der «kleine» oder «blaue» Salon der Hermitage ist seit der Öffnung des Museums für die Öffentlichkeit – gemäss den Entscheidungen des Stiftungsrats und mit Zustimmung der Familie Bugnion – der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner gewidmet. Seine Bedeutung scheint uns in hohem Masse aber auch darin zu liegen, dass hier ein einzigartiges typisches Ensemble aus drei Hauptbestandteilen vereint ist: Mobiliar, Vorhänge und Tapeten aus der Zeit Napoleons III. In der Schweiz wird nur selten ein solch gut erhaltenes Ensemble in seiner Gesamtheit ausgestellt. So selten, dass vor der Gründung der Fondation de l'Hermitage das Schweizerische Nationalmuseum mit dem Unterzeichnenden in Kontakt trat, in der Hoffnung, dass es telquel an einen seiner Ausstellungsorte überführt werden könnte. Die Miteigentümer des Anwesens erachteten es damals als nicht angebracht, diese Anfrage positiv zu beantworten, da sie nicht wussten, welche Zukunft es haben sollte.

Dieser kleine Salon (siehe Fotos), der sich bis 1983 in der südöstlichen Ecke des Mitte des 19. Jahrhunderts erbauten Familiensitzes befand, liess sich zum angrenzenden grossen Salon hin weit öffnen. Ursprünglich wurden hier am späten Abend Gäste empfangen, die rauchen oder sich über Geschäftliches unterhalten wollten, ohne die im grossen Salon verbliebenen Personen zu stören.

Der kleine Salon, aus offensichtlichen museologischen Gründen hierher verlegt, wird aufgrund seiner historischen und ästhetischen Bedeutung nun ständig präsentiert. Dies meist ohne Zusammenhang mit den Wechselausstellungen, es sei denn mit Ausnahme eines Werkes, das über dem Kamin gehängt wird.

Das Mobiliar im Napoleon III-Stil ist für die Zeit der industriellen Revolution typisch. Sie folgte auf mehrere konservative Jahrzehnte von der Restauration (1814) bis zur Julimonarchie (1848), während derer der Einfluss der griechischen, römischen oder ägyptischen Antike massgebend war und zur bedeutenden Entwicklung der Inneneinrichtung beitrug: Wiederaufnahme einer originelleren Kreativität mit Stilen wie Neugotik, Neurennaissance oder Louis-Philippe.

Die technologischen Entwicklungen der industriellen Revolution wie beispielsweise der Eisenbahn oder der Textilindustrie erlauben die Bereitstellung neuer Lösungen, insbesondere das Aufkommen einer umfangreichen Verwendung grosser textiler Flächen. Diese werden zum dominierenden visuellen Element eines Möbelstücks, dessen tragende Struktur teilweise oder ganz verdeckt werden kann. Im Falle dieses Salons sind die Seidenstoffe wahrscheinlich das Werk von Manufakturen in Lyon.

Der Napoleon III-Stil entspricht dem damaligen Zeitgeist: an die Moderne angepasster Geschmack, Suche nach Komfort, ja einer intimeren Atmosphäre.

Während der Umwandlung der Hermitage in ein Museum wurden die hier ausgestellten Möbel, Zeugnisse dieser innovativen Periode, mit grösster Sorgfalt restauriert. Bei den blauen Vorhangstoffen und den Stoffen, mit denen ursprünglich die Sessel und das Sofa überzogen waren, handelt es sich um Seidensamt.

Die Originaltapete mit ihren für die damalige Zeit charakteristischen Verzierungen und Längsstreifen wurde getreu nachgebildet. Der Einschluss winziger Silberpartikel, die Reflektionen erzeugen, verleiht ihr einen besonders lebendigen Charakter, obwohl ihre Intensität mit der Zeit etwas verblasst ist.

Mögen diese Informationen dazu beitragen, die Besichtigung dieses Salons lebendiger zu gestalten.


Dr. Michel Bugnion, Juli 2013